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Auf den Schultern grosser Vergangenheit: Weihnachten in der Cedofeita-Kirche



Die Heiligabendgemeinde in der Igreja Romanica de São Martinho de Cedofeita, kurz „die Cedofeita“, sang ihre Weihnachtslieder auf den Schultern ganz grosser Vergangenheit. Dass die Kirchengebäude aus der Romanik stammt sieht man den Rundbögen und dem gedrungenen Bau sofort an. Nachlesen allerdings muss man, dass der romanische Bau Nachfolger einer Kirche ist, der – von den Mauren zerstört – schon im 6. Jahrhundert von dem Volksstamm der Sueben errichtet wurde. Mehr als 1500 Jahre Tradition lagen unter den Füssen der weihnachtlichen Gemeinde. Viele -zig tausende von Menschen waren hier schon: zuerst aus der ersten Zeit des frühen Christentums, dann vielleicht arabisch sprechende Wüstensöhne, dann die neuentstandenen christlichen Gemeinden nach der Reconquista, bis hin  bis zum Hl. Abend 2017 – sie alle haben dort ihre Lieder gesungen und die Gebete verrichtet: fröhlich, traurig, hoffnungsvoll oder am Boden zerstört. Welch ein Erlebnis, wenn ich nun dort sitze – der letzte in einer unüberschaubaren Reihe von Leuten vor mir – da werde ich ganz klein und unbedeutend, und gleichzeitig unendlich stolz und ergriffen dass ich nun heute lebendiges Bestandteil einer unendlichen Kette von Menschen bin, die in der Nacht der Nächte vom Neuanfang in dem kleinen Kind angerührt sind. 

Hier erlebt die kleine Gemeinde in Porto den grossen Reichtum christlicher Tradition  – das mag jeden stolz machen, der da mitmachen durfte.

Pfarrer Michael FJ Decker, Porto

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