Liebe Leserinnen und Leser!
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ heißt es in einem Karnevalsschlager, denn an diesem Tag beginnt nach der bunten und lauten Karnevals-/Faschingszeit die siebenwöchige Passionszeit: Eine ganz andere, viel stillere Zeit, gekennzeichnet von innerer Einkehr, Umkehr, Verzicht, in der wir Christen an den Leidensweg Jesu zum Kreuz denken.
So ist die Passionszeit eine Zeit der Besinnung.
Wir dürfen erkennen, dass Christus sterben musste, damit wir Hoffnung auf ewiges Leben haben. Er war so, wie Gott eigentlich uns haben möchte: voller Nächstenliebe, bereit zu helfen. Und das immer mit dem Blick auf Gott. - Wir dagegen werden immer wieder schuldig - an unseren Mitmenschen und an Gott.
„Asche auf mein Haupt“, sagen wir, wenn wir uns schuldig fühlen.
Und wir kennen das Sprichwort „in Sack und Asche gehen“ – das kommt aus der Bibel und war eine Bußhandlung. So heißt es bei Nehemia (9,8): „Die Israeliten kamen zusammen, in Säcken gehüllt und mit Asche auf ihren Häuptern, um zu fasten.“
Als Zeichen der Buße (Umkehr) werden Gottesdienstbesuchern am Aschermittwoch in katholischen oder ökumenischen Gottesdienst Aschekreuze auf die Stirn gezeichnet. Für mich eine interessante Zeichenhandlung.
Asche lässt mich zunächst traurig werden.
„Alles zerfällt zu Staub - auch wir“, denke ich.
Bei einer Trauerfeier heißt es (kath.) „Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück“ - oder (ev.) „Asche zu Asche, Staub zum Staube“.
Aber bei all dem Traurigen und Ernsten möchte ich nicht stehenbleiben.
Denn beim Gedanken an die Asche kann uns auch etwas Positives einfallen:
Ich denke zuerst an die Asche, die ich in Deutschland ab und zu auf vereisten Gehwegen sehe, um das Ausrutschen zu verhindern: Nun gehe ich viel sicherer.
Mit Asche hat man früher auch das Holz der Tische gesäubert, so dass sie matt glänzten und schön anzusehen waren.
Mir fällt auch das Aschenputtel-Märchen ein - es endet gut.
Noch ein schönes Beispiel: Die Asche verbrannter Bäume wirkt als Dünger. Gibt es irgendwo einen Waldbrand, so wird zwar alles zerstört, aber doch nicht auf ewig: bald schon wächst, grünt und blüht es wieder - oft noch üppiger als vorher. Auch Vulkanasche macht ganze Landstriche fruchtbar.
Und eine Sage erzählt folgendes: Wenn der Wundervogel „Phönix“ sein Ende nahen fühlt, baut er sich auf der höchsten Palme ein Nest aus Dufthölzern. Schon vor dem Sterben lässt er sie von der glühenden Sonne entzünden und facht die Flamme mit seinem Flügelschlag an. Dann lässt er sich verbrennen. Aus der Asche entsteht der junge Phönix, der nach vielen Jahren den Vorgang wiederholt: also eine ständige Erneuerung, immer wieder neues Leben aus der Asche.
Die Asche in den Aschermittwochsgottesdiensten ist übrigens aus Palmen (Siegeszeichen), gewonnen.
Das heißt, wir dürfen auf das Ende der Fastenzeit, auf Ostern schauen, wenn Christus als „Phönix“ aus der Asche steigt. Er holt alle Menschen aus Staub und Asche mit sich zum Fest der Feste, bildlich gesprochen.
So ist für mich die Asche ein gutes Symbol, lehrt sie mich, auf Christus zu sehen, der unsere Vergänglichkeit überwindet.
Ihnen/euch wünsche ich diese Hoffnung auch!
Ihre/eure Pastorin Ute Clamor
Ihre/eure Pastorin Ute Clamor